INTI-Lagebericht Februar 2009
In den folgenden Zeilen moechte ich ueber meine persoenlichen Eindruecke beim Kontakt mit den Kindern berichten, ueber das, was INTI bisher Dank Euch geleistet hat, ueber weitere Finanzierungen und unser aktuelles Ziel - das Spendenguetesiegel.

Auch wenn der Text etwas lang erscheint, hoffe ich doch, dass Ihr die Zeit findet, ihn durchzulesen, um einen Einblick in das Leben der Kinder und Jugendlichen zu bekommen.

Derzeit unterstuetzt INTI 2 Organisationen in Bolivien: das vor einem Jahr mit unserer Hilfe gegruendete Praeventionszentrum fuer Kinder zwischen 4 und 14 Jahren (“Asociacion proyeto para alcanzar la ventana 4-14”) und das Strassenkinderprojekt “Alalay”. Die Leistungen, die “Alalay” unter der Leitung der Gruenderin Claudia Gonzales bringt, sind ueberwaeltigend. Sie hat vor etwa 15 Jahren mit 3 Kindern bei sich zu Hause begonnen.
Zur Zeit betreut Alalay 600-800 Kinder. Wie sich der Weg vom Strassenkind zum Erwachsenen mit guten Chancen ein eigenstaendiges Leben fuehren zu koennen gestaltet, durfte ich persoenlich erfahren und moechte ich Euch im folgenden Text schildern:

Im Rahmen der sogenannten "Strassenarbeit" wird ein erster Kontakt zu drogensuechtigen, bettelnden, verwahrlosten Kindern hergestellt, die ein Leben auf der Strasse dem Wohnen zu Hause vorziehen. Sie werden mit Tee und Brot versorgt sowie regelmaessig zu Gespraechen oder Sport eingeladen.

Der Schritt von der Strasse zurueck in ein geregeltes Leben faellt oft nicht leicht. Auch sollen die Kinder lernen, sich in eine Gesellschaft einzugliedern. Mit intensiver psychologischer Betreuung wird verhindert, dass die Kinder wieder auf die Strasse zurueckkehren.

Schaffen die Kinder den Schritt weg von der Strasse, dann nehmen sie dankbar die einmalige Chance an, die sie bekommen. Sie sind unglaublich dankbar ueber jedes kleine Geschenk, jedes Stueck Kuchen, jeden Becher Cola, jedes Essen und jeden Schuh oder Pullover, den sie bekommen.

Angst und Schuechternheit spiegeln sich in den traurigen Augen einiger Kinder, Gesicht und Koerper sind gezeichnet von monatelangem Schnueffeln und schrecklichen Erlebnissen. Ich durfte einen Buben kennlernen, der seit 4 Tagen bei “Alalay” wohnt. Abwesend von den Nachwirkungen der Drogen, die Augen- und Nasenschleimhaeute vom Schnueffeln entzuendet, verschreckt und scheu.

Die Kinder, die schon laenger von Alalay betreut werden und im Kinderdorf bzw. in einer Unterkunft im Zentrum von La Paz leben, machen einen anderen Eindruck und zeigen anschaulich die Entwicklung, die ein Kind trotz schlimmer Vorgeschichte unter guter Betreung vollziehen kann: aufgeweckt und froehlich, auf der Suche nach Zuwendung und Koerperkontakt. Sie wirken unheimlich selbstaendig fuer ihr Alter. Sie muessen lernen, bestimmte Aufgaben in der Gruppe und im Haushalt zu uebernehmen und auf einander zu achten - und trotzdem findet man ein paar, die sich nie wirklich von ihren frueheren Erlebnissen erholt haben... - abwesende Blicke, leichte neurologische Schaeden durch langjaehrigen Drogenkonsum.

Mit dem Ziel selbstaendige Erwachsene mit berechtigter Hoffnung auf eine gesicherte Zukunft zu erziehen werden Jugendliche in einer Unterkunft im Zentrum von La Paz am Plaza Eguino berteut. Dort erhalten sie auch die Moeglichkeit zur Berufsausbildung sowie zu diversen Teilzeitjobs, wodurch auch der Umgang mit eigenem Geld gelernt wird.

Didi kennt die meisten Kinder noch von seinen letzten Besuchen. Er hat einen Burschen wiedererkannt, der letztes Jahre sehr abweisend, unfreundlich und grob war - heuer praesentierte er sich wie ausgewechselt: hilfsbereit und zuvorkommend. Beim Betrachten der Fotos musste Didi leider auch erfahren, dass einer seiner "Chichos" an einer Ueberdosis Inhalantien auf der Straße gestorben ist, ein anderer, von "Alalay" weggelaufen ist und wieder auf der Straße lebt, nachdem sein kleiner Bruder gestorben war.

So traurig diese Einzelschicksale auch stimmen, so positiv erlebt man die Geschichten der Erfolge: ein ehemaliges Straßenkind verdient sein Geld heute als preisgekroenter Koch und Buchautor, ein anderer arbeitet als beliebter Erzieher im Kinderdorf.

Alle Kinder, die - wenn auch oft in bescheidenen Verhaeltnissen|- im Kinderdorf "Aldeas" (ca. 15 km ausserhalb von La Paz) aufwachsen, koennen sich auf die finanzielle Unterstuetzung ihrer Pateneltern bzw. die professionelle Betreuung durch "Alalay" verlassen. Sie wohnen in kleinen Haeusern, "Cabañas" (nach Alter und Geschlecht getrennt), werden mit Essen versorgt und haben Platz und Zeit zum Spielen.

Besonders wichtig erscheint uns die Unterstuetzung der Kinder und Jugendlichen hinsichtlich ihrer Ausbildung, die von "Alalay" bereits forciert wird. Es werden Computer- und Naehkurse angeboten sowie Schulen fuer den spaeteren Beruf finanziert (z.B. Gastronomie, Computerdesigner, Nahrungsmittelindustrie,&hellip). Dabei wird sehr genau auf die Interessen und Talente der Kinder geachtet.

Der Grund, warum viele Kinder auf der Strasse landen, liegt in der Armut und viel Gewalt in der Familie (9 von 10 Kindern werden in Bolivien geschlagen und/oder sexuell missbraucht).

In Praeventionszentren werden Kinder ausserhalb der Schule betreut. Sie finden einen sicheren Platz und paedagogische Betreuung, in vielen Faellen wird dadurch der Schritt auf die Strasse verhindert. Ebenso werden die Eltern betreut. Sie koennen Computerkurse oder Vortraege besuchen, um Hilfestellung fuer eine gewaltfreie Erziehung und Problemloesung zu bekommen.

Spielerisch wird gelernt, beim “Puppentheater” wird das Thema sexuelle Gewalt angesprochen, Hausaufgaben werden gemacht und eine taegliche Portion Vitamine und Zusatznahrung verteilt, da es daheim oft nur spaerlich zu essen gibt. Ein ebenso wichitger Teil der Praeventionsarbeit ist der Kontakt zu den Schulen und Lehrern, damit der Fortschritt und das Verhalten der Kinder verfolgt werden kann.

Einen weiteren wichtigen Bereich konnten wir mit den INTI-Spenden im gesundheitlichen Sektor abdecken: in der Armenstadt El Alto (am an La Paz angrenzenden Hochplateau auf 4000m gelegen), wird dank Eurer Hilfe ab Maerz ein Zahnarzt seine Arbeit aufnehmen: die Anschaffung der kompletten Ausruestung (Behandlungsstuhl, Bohrer, Zahnarztbesteck,...) hat "INTI" in den letzten Tagen ermoeglicht und ueberdies das Gehalt des Zahnarztes fuer die kommenden 4 Monate vorfinanziert. Wenn wir es gemeinsam schaffen, bis Ende 2009 dem Zahnarzt monatlich sein Gehalt zu bezahlen und damit das Projekt am Leben zu halten, dann wird ab 2010 das Gesundheitsministerium die anfallenden Kosten uebernehmen. So wird allen Beduerftigen der Umgebung ein fuer sie meist nicht erschwinglicher Zahnarztbesuch ermeoglicht.

Da wir versuchen, die transparente Spendenverteilung durch unsere Organisation "INTI fuer Strassenkinder" in Oesterreich offiziell anerkennen zu lassen und gerne alle Bedingungen fuer das “Oesterreichische Spendenguetesiegel” erfuellen moechten, haben wir uns heuer fuer unsere Anschaffungen offizielle Rechnungen ausstellen lassen. Was uns in Europa normal erscheint ist in Bolivien hoechst unueblich und schwer umzusetzen. Die Mehrzahl der Einkauefe werden in La Paz auf einem der unzaehligen (Schwarz-)Maerkte getaetigt - dort Rechungen ausgestellt zu bekommen ist nicht moeglich. Kauft man ohne Rechnung, ist die Ware zwar billiger, leider entgeht dem Staat dadurch (in Form der anfallenden Steuern) viel Geld, das dringend (z.B. fuer Infrastruktur, Sozialsystem, Gesundheitswesen&hellip) benoetigt wuerde. Da viele Bolivianer kaum ueber ausreichend Geld zum Leben verfuegen, kaufen sie lieber billiger ein und nuetzen den Vorteil des “Strassenkaufs”. Wir wollten diesen Vorteil heuer absichtlich nicht nuetzen, um nach unserer Rueckkehr das Spendenguetesiegel beantragen zu koennen. Somit ist uns weiterhin moeglich, Eure INTI-Spenden uebersichtlich, serioes und vollstaendig ohne anfallende Verwaltungskosten an die Kinder weiterzugeben.

Vielen Dank fuer Eure Unterstuetzung bisher. "INTI fuer Strassenkinder" hofft auch weiterhin auf Eure Hilfe zur Umsetzung unsere Projekte!

Verwendung der "INTI-Spenden" fuer "Alalay" 2009:

• Ausstattung fuer Kueche ("Aldeas" - ca 70 Kinder)

• TV und DVD-Player ("Eguino" - ca 30 Jugendliche)

• Picknick, Grillfest und Mittagessen fuer verschiedene Kindergruppen (quer ueber alle Unterkuenfte)

• Zahnarztpraxiseinrichtung und 4-monatige Vorfinanzierung des Zahnarztgehalts ("El Alto" Bezirk "Villa Dolores")

• 5-monatige Vorfinanzierung der Ausbildungkosten von 35 Jugendlichen (La Paz und Santa Cruz)

Verwendung der "INTI-Spenden" fuer das Praeventionszentrum "Pav 4-14" (Bezirk Ciudad Satélite) 2009:

• Obst fuer 2 Wochen
• 3 Computer + 1 Drucker
• Schulunterlagen
• Miete/Strom/Gas/Wasser fuer Dezember und Jaenner

Extraausgaben 2009

• Unterkunft fuer einen Schuhputzer-Jungen

Eine genaue Aufstellung findet Ihr nach unserer Rueckkehr ab Mai hier auf dieser Website.
Auch Sie können helfen. Bitte Spenden Sie an:
INTI für Straßenkinder Kontonummer: 28634981500 BLZ: 20111
IBAN: AT802011128634981500 BIC/SWIFT Code: GIBAATWW
Kontoinhaber: INTI für Straßenkinder